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Garten

Gemüse in der Wohnung vorziehen

Lange musste ich mich in Geduld üben, jetzt habe auch ich endlich meine Tomaten, Gurken und Zucchini im Zimmergewächshaus ausgesät. Manche werden sich vielleicht denken: Ist es dafür nicht schon zu spät?

 

Späte Aussaat, starke Keimlinge

Im Gegenteil, in meinem Fall ist es sogar notwendig, denn ich habe weder Wachstumslampen noch kann ich die Pflanzen nach dem Keimen in einen kühleren Raum stellen. Das bedeutet: Bis jetzt war es in meiner Wohnung schlicht zu dunkel (Tageslänge) und zu warm; würde ich früher aussäen, würden die Sämlinge zu schnell und dünn in die Höhe schießen und in Folge umkippen (man nennt das Vergeilen).

 

Auspflanzen ins Freiland kann ich sie wiederum erst nach den Eisheiligen (Mitte Mai), also wenn ich sicher sein kann, dass es keine Nachtfröste mehr gibt. Deshalb hab ich es mir angewöhnt, erst frühestens ab Anfang/Mitte April in der Wohnung vorzuziehen – und ich hab die Erfahrung gemacht: Ich brauch mir gar keinen Stress zu machen, denn die kleinen Pflanzen holen die „verlorene“ Zeit im Freiland locker wieder auf.

 

Ein Gewächshaus für die Wohnung

Aussäen sollte man in spezielle Zimmeranzuchthäuser mit transparentem Deckel – so bleibt darunter die Luftfeuchtigkeit hoch, was das Keimen verbessert. Entweder sät man in kleine Töpfe mit nährstoffarmer Anzuchterde aus, oder man greift auf Torf- oder Kokosquelltöpfe zurück. Letztere sind recht praktisch, weil man die Pflanzen dann mitsamt dem verrottbaren Topf ins Freiland setzen kann.

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Torfquelltöpfe

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Zimmergewächshaus

Ich achte nach der Aussaat darauf, dass Erde oder Quelltopf gleichmäßig feucht bleibt, und nehm die Abdeckhaube zweimal täglich kurz herunter, um zu lüften, damit sich kein Schimmel auf dem Substrat bildet. Nach erfolgter Keimung kann man die Abdeckung ganz weglassen.

 

Bevor man die jungen Pflanzen ins Freiland setzt, sollte man sie nach und nach abhärten, also zum Beispiel an schönen Tagen tagsüber auf den Balkon stellen und nachts wieder in die Wohnung.

 

Bunte Sortenvielfalt

Am Schönsten beim Selber-Aussäen finde ich ja, dass man freie Auswahl an vielen verschiedenen Sorten hat und sich auch an ungewöhnlicherem Gemüse (wie gelb-grün gestreiften Tomaten oder violetten Karotten) oder schon fast in Vergessenheit geratenen alten Sorten versuchen kann. Eine große Auswahl an Bio- und Demeter-Saatgut findet ihr zum Beispiel hier: Beetfreunde

 

Ich liebe es, jedes Jahr was Neues auszuprobieren. Allein bei den Tomaten gibt es unzählige Sorten zu entdecken. >>>

 

Was bedeutet F1?

Achtung: Wenn ihr mal eure Lieblingssorte gefunden habt und vom Gemüse dann in Folge vielleicht selber Samen gewinnen wollt für die Aussaat im nächsten Jahr, müsst ihr darauf achten, kein Saatgut mit dem Zusatz „F1“ zu kaufen. F1-Saatgut ist nicht sortenecht, und die Nachfolgepflanzen daraus können dann ganz anders ausschauen und andere Eigenschaften haben als die ursprünglichen Pflanzen aus der ersten Generation. (Ein guter Trick übrigens der großen Saatgut-Konzerne, die die AbnehmerInnen so an sich binden.)

 

Dasselbe kann euch auch passieren, wenn ihr zum Beispiel im Supermarkt Gemüse kauft und versucht, aus seinen Samen neue Pflanzen zu ziehen. Am besten ist es also, ihr kauft sortenechte, alte (Bio-)Gemüsesorten, mit denen ihr bei der Weitervermehrung viele Generationen lang Freude habt.

 

Hab ihr schon ausgesät? Was sind eure Lieblingssorten? Ich freue mich auf Erfahrungsaustausch.