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Warum ich Wildvögel das ganze Jahr über füttere

Der Frühling steht vor der Tür, und spätestens jetzt, wo es wieder wärmer ist, räumen viele ihr Futterhäuschen, das die lieben Wildvögel den Winter über ernährt hat, wieder weg. Schließlich brauchen sie die zusätzliche Nahrung nicht mehr. Oder?

 

Vielen Ornithologen sagen inzwischen: Doch! Denn da es immer weniger Insekten als natürliche Nahrungsquelle gibt (nicht nur in der verbauten Stadt, sondern auch am Land, wo viele Pestizide eingesetzt werden), tun sich Vögel schwer, gerade in der Brutzeit genug zu finden. Die Jagd nach Insekten für die nimmersatten Jungvögel kostet den gestressten Vogeleltern außerdem so viel Kraft und Energie, dass sie dankbar sind, an einem Futterhaus selbst schnell einen Happen essen zu können.

 

Ein Plädoyer für die Ganzjahresfütterung

Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass man sich auch keine Sorgen darüber machen braucht, dass die Vogeleltern ihren Jungen vielleicht Körner füttern könnten – scheinbar wissen sie, dass das nicht die ideale Nahrung für ihren Nachwuchs ist. Auf angebotenes Fettfutter mit Insekten oder Mehlwürmern zum Beispiel greifen sie aber gerne zurück. Letztes Jahr konnte ich beobachten, wie zwei Kohlmeisen dieses schnabelweise zum Nistkasten flogen, und als die Jungen flügge geworden waren, brachten die Eltern sie zu mir auf den Balkon, um ihnen die Leckerbissen direkt zu füttern. Es war sehr drollig zu beobachten, wie die Jungen mit aufgesperrtem Schnabel aufgereiht auf einem Ast saßen und um mehr bettelten.

 

Geschadet scheint ihnen dieses „Fast Food“ nicht zu haben, denn die jungen Kohlmeisen waren seitdem ebenfalls das ganze Jahr über Stammkunden auf meinem Balkon.

 

Ein weiterer Vorteil der Ganzjahresfütterung ist, dass die Vögel schon in der warmen Jahreszeit lernen, wo es Futterquellen gibt und somit bei einbrechendem Winter nicht erst auf die Suche gehen müssen.

 

Piep-Show

Last but not least hat man gerade in der Stadt ansonsten wenige Gelegenheiten, das Verhalten der Wildvögel aus nächster Nähe zu beobachten – und ich könnte das ja stundenlang. Somit muss ich zugeben, dass ich natürlich auch aus egoistischen Gründen für die Ganzjahresfütterung plädiere. Eine Win-win-Situation für Mensch und Tier sozusagen.

 

Wie macht ihr das? Füttert ihr das ganze Jahr über oder nur im Winter? Ich freue mich über Erfahrungsaustausch.